Foto: Shapeshift
Kinder spielen für ihr Leben gern, Spielen ist cool und Spielen macht Spaß! Und auch Eltern haben ihre Freude daran, wenn sie feststellen, dass ihre Kinder so richtig in einem Spiel aufgehen – zumindest wenn dieses Spiel draußen, an der frischen Luft und mit Freunden stattfindet, oder wenn eine in den Augen der Eltern hohe kreative Leistung abverlangt wird (zum Beispiel beim Basteln).
Anders sieht es aus, wenn ein Bildschirm hinzukommt: Spielen am PC erscheint vielen Eltern wenig förderlich für das Kind zu sein und ist mit einer Reihe von Ängsten verbunden. Macht das Spielen vor dem Bildschirm nervös? Macht es dick und faul? Was passiert mit meinem Kind, wenn es ein gewalttätiges Spiel spielt?
Von dem Staat wurde der Konsum solcher Spiele bei Amokläufen an Schulen als Mitursache für die Aggressivität der jugendlichen Täter angesehen. Daher will die EU, mit einem Alterseinstufungssystem über mögliche jugendgefährdende Inhalte des Spieles Käufer informieren. Spiele dürfen nur noch dann verkauft werden, wenn sie eine klare Altersangabe enthalten und der potenzielle Käufer dieser entspricht.
Das ist die Meinung des Staates. Was denke ich als Mutter darüber? Ich finde, sooo schlimm sind diese Videogames ja gar nicht! Nur Leute, die noch nie ein Spiel ausprobiert haben glauben, dass das Selberspielen zu einer starken Identifikation mit den Handlungen des Protagonisten führt. Dies ist aber schlicht und ergreifend nicht wahr!
Die Identifikation mit Protagonisten ist in Filmen und vor allem in Romanen stärker. Romane lassen es zu, dass Leser sehr intensiv an der Gefühlswelt der Charaktere teilnehmen und starke Emotionen hervorrufen können. Selbst wenn diese Charaktere “böse” sind, schaffen Romane es manchmal, dass der Leser mitfiebert und hofft, dass der Charakter nicht gefasst wird. Killerspiele hingegen rufen nur dann Emotionen hervor, wenn man gewinnt (Freude), wenn man verliert (Enttäuschung), oder wenn jemand die Spielregeln verletzt (Wut).
Man spielt nämlich eine Rolle, schlüpft aber nicht in die Rolle, und identifiziert sich daher kaum mit der “Gefühlswelt” des Protagonisten.
Ich denke, Jugendschutz wird immer nur dann aktuell, wenn die Medien mal wieder von grausamen Taten berichten, die Jugendliche irgendwo in Deutschland vollführen. Dann melden sich irgendwelche Menschen zu Wort, die der Jugend so sehr fremd sind, dass es ihnen unmöglich ist, auch nur den Hauch von Verständnis zu zeigen. Und nach ein paar Tagen wird das ganze wieder schön unter den Teppich gekehrt. Irgendwo neben Integrationspolitik, Datenschutz und Bildungspolitik.
Wie alt ist eigentlich ein durchschnittlicher Spieler? 14? Da sind dann die Eltern gefordert und nicht älteren Damen und Herren der verschiedenen Kommissionen! Oder habe ich nicht recht?
Sorry, ein langer Text geworden. Aber das Thema ist mir nicht gleichgültig. Ich würde mich auf eure Meinungen dazu freuen!




4 Antworten so far ↓
derKleinePrinz // Mai 10, 2008 um 10:32 Uhr vormittags
brisantes Thema, was du da ansprichst!
Natürlich sucht man nach jedem Massaker oder Amoklauf einen Schuldigen, und weil die Tragweite des Verbrechens und der Grausamkeit daran so unvorstellbar ist, kann man die Schuld nicht auf den Schützen alleine abwälzen, sondern muss sich weiterer Ursachen bedienen!
Ein gefundenes und leichtes Fressen werden immer sofort ach so bösartigen Killerspiele genannt! Ich selber spiele auch gerne hin und wieder ein Computerspiel, wenn es die Zeit erlaubt! Da gibt es eines, was mir besonders gut gefällt und ich würde es als “niedlich”, “träumerisch” und “phantasievoll” bezeichnen! Es geht um Freundschaft, Liebe, aber auch Krieg, der über das Land zieht (als wenn dieser Stoff in keinem altersfreien Hollywood-Film je thematisiert wurde!)
Dieses für mich in keinster Weise gewalttätige Spiel wurde als einer der großen Ursachen des letzten Schulmassakers in Amerika in den Medien genannt! Das spricht für sich, den anscheinend haben die keine Ahnung, von was sie sprechen! Der Schuldige wurde in diesem Fall zu unüberlegt und zu vorschnell gefunden!
Wenn Eltern ihren Kindern genug Liebe und Erziehung mit auf den Weg geben, je nach Altersfreigabe und persönlicher Einschätzung den Zugang zu den verschiedensten Medien kontrolliert gewähren, und auf die Probleme des Kindes eingeht, wird es keinen Drang verspüren, Menschen ermorden zu müssen, und wenn es es trotzdem tut, wird man sich wohl einen anderen Schuldigen suchen müssen!
Fiona // Mai 13, 2008 um 12:47 Uhr nachmittags
So ist das, ja. Obwohl darf man nicht vergessen, dass sie in der USA ein bisschen anders ticken - das was für uns harmlos ist, könnte dort als gefährlich eingestuft werden. Und ich bin sicher, dass die Spiele nicht die Verursache von Schulmassaker sind!
Thomas // Mai 23, 2008 um 6:26 Uhr nachmittags
Es gibt keinen monokausalen Zusammenhang zwischen Killerspielen und Gewalttaten. Sonst würden tausende “Egoshooter” Spieler Amok laufen. Gewaltausbrüche werden immer von mehreren Faktoren beeinflusst. Die Ursachen liegen in der Gesellschaft, der Familie, der Schule begründet.
Killerspiele bieten sich natürlich immer als Ursache an wenn man von den eigentlichen Auslösern ablenken will. Robert Steinhäuser (Erfurter Amokläufer) flog vorher ohne Schulabschluss vom Gutenberggymnasium und lernte den Umgang mit Waffen im örtlichem Schützenverein!
axinia // Mai 25, 2008 um 10:54 Uhr nachmittags
Thomas,
da gibt es einen sehr intressanten Artike zu diesem Thema über das gleiche Problem in Russland.(auf Englisch):
Modern kids are fed up with playing games inspired by Satanism or Rambo. Even the Spiderman doesn’t grab them any more. These days they play a different kind of games featuring death. Why does it happen? An Izvestia columnist Anna Amelkina speaks with Olga Makhovskaya, a psychologist with the Institute of Psychology of the Russian Academy of Sciences, about the current juvenile game trends…
http://www.inauka.ru/english/article49347.html
Ich glaube, in deisem Sinne ist es egal ob es sich in Russland oder anders wo abspielt - Kinde sind überall gleich.
Was sagst du zu diesem Artikel??
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